Sozialismus
Begriffserläuterung:
Der Sozialismus kennzeichnet eine der großen politischen Strömungen
des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Überwindung kapitalistischer
Eigentums-, Ausbeutungs- und Klassenverhältnisse zugunsten einer
gesellschaftlich rational gesteuerten und egalitär [auf Gleichheit
bedachten, Anmerkung d. Redaktion] geordneten Ökonomie als Grundlage
einer umfassend gedachten gesellschaftlichen und politischen
Emanzipation steht im Kern dieser Ideologie.
Sozialistisches Denken entspringt dem Zweifel daran, daß die bestehende Gesellschaftsordnung die beste aller möglichen ist.(1)
Historisches - Entwicklungsperioden:
1. Frühsozialismus (auch utopischer Sozialismus genannt, bis ca. 1848)
2. Herausbildung organisierter Arbeiterbewegungen in Europa. Aufbau und Wachstum sozialistischer Parteien bis zum I. WK
3. Zeit der Spaltung zwischen Sozialdemokratien und kommunistischen Parteien
4. Globalisierte Systemgegensätze im Ost-West-Konflikt nach ´45
5. Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa seit´89 (Ende des sogenannten Real-Sozialismus)(2)
"Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität"
- Die Grundwerte der Sozialdemokratie:
(3)
"Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten treten für die Freiheit jedes und jeder Einzelnen im Sinne sozial verantworteter Selbstbestimmung ein. Die Freiheit des bzw. der Einzelnen ist für uns die Voraussetzung für die Freiheit aller in der Gesellschaft."
"Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind davon überzeugt, daß jeder Mensch in seiner Einmaligkeit und Individualität gegenüber allen anderen Menschen gleichberechtigt und gleichwertig ist. Daher sind alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gleich an Rechten und Würde."
"Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzen uns für die Gerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen ein. Wir treten für die gleichberechtigte Teilhabe aller an der Gesellschaft ein und stehen dabei an der Seite der sozial Schwächeren. Unser Ziel ist eine Gesellschaft freier und gleicher Menschen, in der die Klassenunterschiede überwunden sind."
"Solidarität im Sinne von Rücksichtnahme auf den Nächsten und Bereitschaft zu gemeinsamem Handeln ist die Basis für die politische Verwirklichung der Ziele der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Solidarität bedeutet Verantwortung für die Gemeinschaft und damit die Verpflichtung, sich für andere einzusetzen und gesellschaftliche Aufgaben im Interesse unserer Grundwerte zu erfüllen."
Zitate:
"Eine Diskussion über Regierungspraxis und Parteiprogramm erhält ihr
besonderes Interesse dadurch, daß die Sozialdemokratie mehr ist als
eine Partei, der es obliegt, die Gesellschaft zu verwalten. Unsere
Aufgabe ist es vielmehr, sie zu verändern. Durch unsere ganze
Geschichte zieht sich eine intensive ideologische Diskussion über
langfristige Zielsetzungen. Wir haben immer mit der Spannung zwischen
dem derzeit Möglichen und unseren Zielvorstellungen für die Zukunft
gelebt."(4)
Olof Palme
(1927-1986), Vorsitzender der schwedischen
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1969-86
"Die Bekämpfung der sozialistischen Idee begann freilich nicht erst mit
dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, sie gehört von
jeher zur permanenten Strategie aller kapitalistischen Kräfte der Welt.
Es geht auch nicht darum, den real existierenden Sozialismus gegen
seine Kritiker in Schutz zu nehmen, sondern ausschließlich um die Art
und Weise, wie er an den Pranger gestellt wurde."(5)
Heleno Sana 1930, spanischer Schriftsteller
und Philospoh
"Das Wort [Sozialismus, Anmerkung d. Redaktion] ist, wie schon erwähnt,
vieldeutig. Aber der Gegensatz zu Sozialismus, an den man gewöhnlich
denkt, ist: privatwirtschaftliche Ordnung, d.h. ein Zustand, bei
welchem die wirtschaftliche Bedarfsversorgung in den Händen privater
Unternehmer liegt, sich also so vollzieht, daß diese Unternehmer sich
durch Kaufverträge und Lohnverträge, die sachlichen Betriebsmittel,
Beamten und Arbeitskräfte beschaffen und daß sie dann auf eigene
ökonomische Gefahr und in Erwartung eigenen Gewinns die Güter
herstellen lassen und sie auf dem Markte verkaufen."(6)
Max Weber (1864-1920), deutscher Soziologe und
Gründungsmitglied der Dt. Demokrat. Partei
Literaturhinweise:
BOBBIO, N.: Rechts und Links. Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung. Berlin 1994
(4) DUVE, F. (Hrsg.): Olof Palme. "Er rührte an die Herzen der Menschen".
Reden und Texte. Reinbek bei Hamburg 1986 (in PKJ-Bibliothek erhältlich)
(1,2) NOHLEN, D. (Hrsg.): Wörterbuch Staat und Politik. Hamburg 1996
(5) SANA, H.: Das Ende der Gemütlichkeit. Eine Bilanz der Krise unserer Zeit. Hamburg 1992
(3) SPÖ: Parteiprogramm der Sozialdemokratischen Partei Österreichs. Beschlossen am Bundesparteitag am 30.-31.10.1998
(6) WEBER, M.: Der Sozialismus. Weinheim 1995 (in PKJ-Bibliothek erhältlich)
